Sonntag, 18. Dezember 2011

Carl Zeiss Jena spielt Champions League...

...auf PS3, von 12 bis 8, die ganze Nacht! Demut, Dankbarkeit und Bescheidenheit sind Tugenden, die man in Jena wohl herausgeprügelt bekommt, wenn man zu Carl Zeiss geht. Anders sind die Kommentare unter diesem Artikel nur schwer zu erklären.

Aber fangen wir von Vorne an: Am Samstag verlor der RWE das Derby gegen Jena. Verdient, mit 1:0, weil wir wie schon in der Vorwoche nicht in der Lage waren, ein konstruktives und durchdachtes Angriffsspiel aufzufahren. Zwar konnte die Hintermannschaft lange die Null halten, aber kurz vor Schluss fasste sich Hähnge ein blau-gelbes Herz und erzielte freistehend den Siegtreffer. Der größte Teil der Erfurter Anhänger empfand das aufgrund des lust- und ideenlosen Auftritts der Mannschaft als schlicht und ergreifend verdient (Link).

Wie man aber als FCC-Anhänger jetzt schon wieder in alte Gewohnheiten fallen kann, ist mir schleierhaft. Der Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz beträgt weiterhin sieben Zähler. Man darf außerdem davon ausgehen, dass auch die Mannschaften über dem Strich weiterhin Punkte sammeln wollen. Aber was außer, dass dies nur ein Anfang sein kann, liest man nun? "Also ich finde es spannender, in einer Saison das Feld von hinten aufzurollen, statt nach unten durchgereicht zu werden", ". Stetige Aufwärtsdynamik, permanenter Druck nach oben, kein Halten mehr, die Hindernisse weichen. Wir sehen uns in der CL!!" "..Heult und verneigt euch ihr Luschen.Derbysieger ist nur der FCC!!!!!" Nicht schlecht für einen Club, der zu DDR-Zeiten vom Staat finanziert und vom Doping unterstützt wurde. Von einem Verein, dessen Führung in den letzten Jahren mehr Trainer eingestellt und gefeuert hat als jeder anderer Verein. Von einem Verein, der seine Millionen und Kredite verpulvert, als gäbe es kein Morgen mehr. Bitte bedenkt, liebe FCC Anhänger: wir leben nicht mehr in der DDR, eure großen Erfolge sind vorbei! Und das Geld, was ihr von der Thüringer Aufbaubank bekommen habt, das Geld, was auch beim Klassenerhalt nur schwer reichen dürfte, versetzt euch nicht gerade in die Lage, weiter auf große Einkaufstour zu gehen. Und trotzdem möchte man noch zwingend neue Leute verpflichten, großes Kino. Zum Glück denken nicht alle in Jena so. Zum Glück wissen einige um die Schieflage im Verein und dass man im Moment jeden Penni zweimal umdrehen sollte. Zum Glück wissen auch einige Anhänger, dass das am Samstag nur drei Punkte waren, und dass man dennoch zwei Meter tief in der Scheiße steckt. Und bedenkt bitte auch, liebe Anhänger des FCC, ein Aufschlagen in der Regionalliga könnt ihr vergessen! Wenn ihr diese Saison absteigt, dann singt das Steigerwaldstadion bald wieder: "Oberliga, Jena ist dabei!"

Ich möchte mich jetzt nochmal kurz über diese verdammten Vollpfosten beschweren, die den Verein wieder hohe Strafen eingebracht haben. Verpisst euch einfach! Es geht mir so auf die Nüsse, wie sie sich selber feiern, wie sie, und hier zitiere ich "unter dem Namen von RWE in Thüringer Städten und Gemeinden einen " Glaubenskrieg " für RWE führen zu müssen ..."
(Link), wie sie die Verletzungen von eigenen Anhängern, Ordnern, Feuerwehrleuten und Polizisten mit Genuss in Kauf nehmen und ein rabenschwarzes Licht auf einen Verein werfen, der seit Jahren versucht, in Erfurt hochklassigen Fußball anzubieten, versucht solide zu Wirtschaften und darauf bedacht ist, eine positive Außendarstellung herauszutragen. Und ich meine hier nicht unsere Ultras, die vermutlich nicht an den Aktionen beteiligt waren, sich aber auch leider nicht dagegen eingesetzt hatten.

Übrigens fuhr man am Sonntag beim Hallencup in Riesa einen beachtenswerten zweiten Platz ein. Sah man sich aber die Zusammenfassung im MDR vom Finale an, wurde das ganze Ausmaß der Erfurter Ideenlosigkeit erneut sichtbar. Nach vorne kam man nicht zum Abschluss und die Auer, der Finalgegner, wurde dazu eingeladen, Tore nach Kontern zu schießen. Für das neue Jahr bleibt nur zu hoffen, dass wir wieder mehr Durchschlagskraft im Angriff herauskitzeln können, dass Serge Yohoua wieder fitt wird und den Konkurenzkampf im Sturm wiederbelebt.

Ansosten wünsche ich allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Dort wird der erste Gegner Bayern München sein. Klingt doch ganz nett...

Freitag, 16. Dezember 2011

Nach der Hindrunde ist vor dem Derby!

Was war denn das für eine unfassbare erste Halbserie? Erstmal tut es mir leid, dass ich mich wieder so lange nicht mehr zu Wort gemeldet habe. Nun aber denke ich, ist es an der Zeit mich mit einem Fazit und einem Ausblick zurück in die Spur zu bringen.

Auswärts, wie wir alle wissen, sind wir denkbar schlecht gestartet. Das lag vermutlich daran, dass man auch auf fremden Platz dem Gegner sein Spiel aufzwingen wollte, ein Spiel von dem die Mannschaft selber noch nicht wusste, welches das eigentlich ist. Dafür lief es daheim, die Gegner fielen reihenweise um und verließen das SWS mit Null Punkten. Und dann, ein Sieg in Unterzahl in Saarbrücken dank eines hervorragend aufgelegten Andreas Sponsel, welcher nach der Suspendierung von Rickert nahezu tadellos spielt und schwupp die wupp lief es daheim nicht mehr. Ich halte es einfach mal für Zufall, dass mein letzter Eintrag auch nach dem letzten Sieg geschrieben wurde.

Sicherlich sieht man der gesamten Mannschaft eine gewisse Entwicklung an. Leider bleibt aber auch festzuhalten, dass man sich im eigenen Spielaufbau und, das ist viel schlimmer, im Abschluss sehr schwer tut. Dafür hat die Defensive von Bertram profitiert. Insgesamt wirkten die Aktionen der Hintermannschaft, sieht man mal von den Aussetzern eines Bernd Rauw und Thomas Ströhls im letzten Heimspiel ab, sicherer und durchdachter. Das Mittelfeld, seit langem schon Erfurts größte Stärke hat mit Zedi und Pfingsten zwei Leitwölfe, die im Fall des Falles auch mal ein Spiel an sich reißen können. Einziges wirkliches Problem bleibt die Offensive: Wir haben mit Manno, Weidlich und Drexler wirklich gute Leute, die den Ball nach vorne bringen können. Und trotzdem finden sich immer wieder Abstimmungsprobleme. Mal wird der Ball bis zur Grundlinie getragen und statt auf den freien Mann am Elferpunkt zu spielen, geht der Ball an den Fünfer, mal läuft man in den Sechzehner und statt nun zurück zu legen versucht man es selber, mal zieht man Richtung Eckfahne und versucht an der Strafraumgrenze eine Flanke zu schlagen, die dann ins Nichts geht. Diese Liste ließe sich noch weiter fortsetzen, denn durchdachte, ja geplante Spielzüge lassen sich nur selten feststellen. Oft hatte ich das Gefühl, dass der eine nicht weiß, was der andere von ihm will. Und nach jeder missglückten Aktion beginnt dann die Körpersprache wegzubrechen. Man zuckt mit den Schultern, zeigt auf den Ball oder den Laufweg, den man doch hätte voraussehen müssen und so weiter. Viel zu selten gab es so schöne Angriffe wie in Unterhaching als ein toller Pass von Manno genau in den Fuß von Cello gespielt wurde, oder Domes Flanke ebenfalls Cello als Abnehmer fand.

Das Problem liegt darin, und das wissen die Kicker laut Zedi auch, dass wir uns zur Zeit schwer tun, das Spiel zu machen. Aber was heißt eigtl. "Das Spiel machen"? Sollte nicht jede Mannschaft gewillt sein, so zu spielen, wie sie es trainiert hat, sollte man nicht Ball und Gegner, gerade daheim, laufen lassen, seine Automatismen abrufen und über eine eingespielte Teamleistung zum Erfolg kommen? Was passiert da auswärts? Wir warten auf Fehler des Gegners, spielen relativ geschickt nach vorne und kommen zum Abschluss. Wie schwer sich unsere Kreativspieler anstellen, wenn sie vor zwei Viererketten gestellt werden, hat man gegen Chemnitz gesehen. Ich erinner mich spontan an keine Aktion, die deren Abwehr vor ernste Probleme hat stellen können. Und wenn doch, dann fehlte die Präzision im Abschluss. Hingegen hat man gegen Babelsberg gesehen, was passiert, wenn zur fehlenden Kreativität auch noch schlampiges Verhalten im Deckungsverbund und ein überforderter Schiri hinzukommen: Niederlagen.

Woran muss also Herr Emmerling, der sich sicherlich keine leichte Aufgabe gestellt hat, als er die Mannschaft voller heute oft vermisster "Typen" zusammen stellte, arbeiten, wenn er in der Rückrunde eine (noch) bessere Figur machen will? In erster Linie an den Automatismen im Vorwärtsgang. Wir müssen es schaffen Ball und Gegner zu beschäftigen, unberechnbarer werden. Das geht nur durch eine konzentrierte Teamleistung bei der alle an einem Strang ziehen. Aber von hier sagt sich das sehr leicht. Phrasen haben noch keinen Menschen zu einem guten Fußballer gemacht! Aber ich denke wir sind auf einem guten Weg.

Mal sehen, ob ich das nach dem Derby am Samstag auch noch so sehe. Aber es ist gut zu wissen, egal wie das morgen ausgeht, THÜRINGEN IST ROT WEISS!