Das Jahr
2016 hat gerade erst begonnen und mit ihm auch die Arbeit von Stefan Krämer,
dem neuen Trainer am Steigerwald. Es ist bereits der Achte, der seit 2010
diesen Posten Inne hat – Interimstrainer mit eingerechnet. Zu „verdanken“ hat
er seinen Job dem Abschneiden von Nummer sieben: Christian Preußer – das ist
schade, war aber unvermeidlich. Warum?
Seine Arbeit fing gar nicht so schlecht an. Als er im März 2015 die Mannschaft
übernahm, hatte der Verein noch gute Chance auf einen oberen Tabellenplatz. Die
Rückserie wurde furios gestartet, doch nach einer Niederlage zog es die
Mannschaft in eine Abwärtsspirale. Bei der stand am Ende fast ein neuer
Niederlagenrekord. Mit ein paar geholten Punkten wurde der Klassenerhalt
gesichert – und in der nächsten Saison sollte sowieso alles besser werden.
Doch schon das erste Spiel gegen Magdeburg war im Nachhinein betrachtet symptomatisch
für alles, was daraufhin passieren sollte. Wir eröffneten die dritte Liga im
Hexenkessel: Flutlicht, großartige Stimmung und ein Spiel gegen einen
Aufsteiger! Und tatsächlich schien sich die Mannschaft viel vorgenommen zu
haben. Erfurt startete engagiert und kontrolliert in die Partie, erspielte sich
einige Chancen und konnte eine zur Führung nutzen. Doch die Stabilität hielt
nicht lange. Zwei Gegentore aus zwei Chancen besiegelten die erste Niederlage
und zeichneten den Weg für die nächsten Monate vor. Immer wieder würde man nun
von Preußer vor und nach dem Spiel einen Satz hören: „Es war nicht alle
schlecht, wir nehmen das positive mit.“ Einzig und allein ein Spiel, bei dem das Positive sich in den
Vordergrund drängelte, war nicht zu finden.
Mit mehr Niederlagen schien Preußer auch immer mehr an seiner eigenen
Spielphilosophie zu zweifeln. Er weichte sie im Verlauf der Hinrunde immer
weiter auf. Aus einem jungen Konzepttrainer mit Leidenschaft wurde ein bemitleidenswerter,
junger Mann ohne Ideen wurde. Vom schnellen Umschaltspiel war nichts mehr zu
sehen. Lauf- und Passwege stimmten nicht nur nicht mehr, es schien als hätten
die Profifußballer das Fußballspielen selbst verlernt. Einfache Pässe über
wenige Meter kamen nicht an. Landeten sie doch mal in der Nähe eines Mitspielers,
sprangen sie häufig weg. Im Umfeld wurde lautstark die Qualität der Spieler
angezweifelt. Die Verunsicherung auf dem Platz war riesengroß. Keiner schien
einen Plan zu haben. Die ersten Minuten einer Partie war die Angst vor Fehlern
so groß, dass man sich regelmäßig Gegentore einfing. Häufig versuchte die
Mannschaft zwar mit dem Mut der Verzweifelten, doch noch nach vorne zu spielen.
Allerdings fehlten dann die spielerischen Mittel und häufig auch die Zeit.
Nach vier sieglosen Spielen rutschte der Verein im Dezember auf Platz 17. Nur
die bessere Torbilanz steht zwischen uns und einem Abstiegsplatz. 2016 feiert
Rot-Weiß Erfurt seinen 50. Geburtstag. Das größte Geschenk ist inzwischen nicht
mehr der Aufstieg in die zweite Bundesliga oder das neue Stadion, sondern
einzig und allein der Klassenerhalt.
Dienstag, 5. Januar 2016
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