Dienstag, 5. Januar 2016

Umbruch, Einbruch, Abbruch, Neuanfang

Das Jahr 2016 hat gerade erst begonnen und mit ihm auch die Arbeit von Stefan Krämer, dem neuen Trainer am Steigerwald. Es ist bereits der Achte, der seit 2010 diesen Posten Inne hat – Interimstrainer mit eingerechnet. Zu „verdanken“ hat er seinen Job dem Abschneiden von Nummer sieben: Christian Preußer – das ist schade, war aber unvermeidlich. Warum?

Seine Arbeit fing gar nicht so schlecht an. Als er im März 2015 die Mannschaft übernahm, hatte der Verein noch gute Chance auf einen oberen Tabellenplatz. Die Rückserie wurde furios gestartet, doch nach einer Niederlage zog es die Mannschaft in eine Abwärtsspirale. Bei der stand am Ende fast ein neuer Niederlagenrekord. Mit ein paar geholten Punkten wurde der Klassenerhalt gesichert – und in der nächsten Saison sollte sowieso alles besser werden.

Doch schon das erste Spiel gegen Magdeburg war im Nachhinein betrachtet symptomatisch für alles, was daraufhin passieren sollte. Wir eröffneten die dritte Liga im Hexenkessel: Flutlicht, großartige Stimmung und ein Spiel gegen einen Aufsteiger! Und tatsächlich schien sich die Mannschaft viel vorgenommen zu haben. Erfurt startete engagiert und kontrolliert in die Partie, erspielte sich einige Chancen und konnte eine zur Führung nutzen. Doch die Stabilität hielt nicht lange. Zwei Gegentore aus zwei Chancen besiegelten die erste Niederlage und zeichneten den Weg für die nächsten Monate vor. Immer wieder würde man nun von Preußer vor und nach dem Spiel einen Satz hören: „Es war nicht alle schlecht, wir nehmen das positive mit.“ Einzig und allein ein  Spiel, bei dem das Positive sich in den Vordergrund drängelte, war nicht zu finden.

Mit mehr Niederlagen schien Preußer auch immer mehr an seiner eigenen Spielphilosophie zu zweifeln. Er weichte sie im Verlauf der Hinrunde immer weiter auf. Aus einem jungen Konzepttrainer mit Leidenschaft wurde ein bemitleidenswerter, junger Mann ohne Ideen wurde. Vom schnellen Umschaltspiel war nichts mehr zu sehen. Lauf- und Passwege stimmten nicht nur nicht mehr, es schien als hätten die Profifußballer das Fußballspielen selbst verlernt. Einfache Pässe über wenige Meter kamen nicht an. Landeten sie doch mal in der Nähe eines Mitspielers, sprangen sie häufig weg. Im Umfeld wurde lautstark die Qualität der Spieler angezweifelt. Die Verunsicherung auf dem Platz war riesengroß. Keiner schien einen Plan zu haben. Die ersten Minuten einer Partie war die Angst vor Fehlern so groß, dass man sich regelmäßig Gegentore einfing. Häufig versuchte die Mannschaft zwar mit dem Mut der Verzweifelten, doch noch nach vorne zu spielen. Allerdings fehlten dann die spielerischen Mittel und häufig auch die Zeit.

Nach vier sieglosen Spielen rutschte der Verein im Dezember auf Platz 17. Nur die bessere Torbilanz steht zwischen uns und einem Abstiegsplatz. 2016 feiert Rot-Weiß Erfurt seinen 50. Geburtstag. Das größte Geschenk ist inzwischen nicht mehr der Aufstieg in die zweite Bundesliga oder das neue Stadion, sondern einzig und allein der Klassenerhalt.

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