Dienstag, 5. Januar 2016

Umbruch, Einbruch, Abbruch, Neuanfang

Das Jahr 2016 hat gerade erst begonnen und mit ihm auch die Arbeit von Stefan Krämer, dem neuen Trainer am Steigerwald. Es ist bereits der Achte, der seit 2010 diesen Posten Inne hat – Interimstrainer mit eingerechnet. Zu „verdanken“ hat er seinen Job dem Abschneiden von Nummer sieben: Christian Preußer – das ist schade, war aber unvermeidlich. Warum?

Seine Arbeit fing gar nicht so schlecht an. Als er im März 2015 die Mannschaft übernahm, hatte der Verein noch gute Chance auf einen oberen Tabellenplatz. Die Rückserie wurde furios gestartet, doch nach einer Niederlage zog es die Mannschaft in eine Abwärtsspirale. Bei der stand am Ende fast ein neuer Niederlagenrekord. Mit ein paar geholten Punkten wurde der Klassenerhalt gesichert – und in der nächsten Saison sollte sowieso alles besser werden.

Doch schon das erste Spiel gegen Magdeburg war im Nachhinein betrachtet symptomatisch für alles, was daraufhin passieren sollte. Wir eröffneten die dritte Liga im Hexenkessel: Flutlicht, großartige Stimmung und ein Spiel gegen einen Aufsteiger! Und tatsächlich schien sich die Mannschaft viel vorgenommen zu haben. Erfurt startete engagiert und kontrolliert in die Partie, erspielte sich einige Chancen und konnte eine zur Führung nutzen. Doch die Stabilität hielt nicht lange. Zwei Gegentore aus zwei Chancen besiegelten die erste Niederlage und zeichneten den Weg für die nächsten Monate vor. Immer wieder würde man nun von Preußer vor und nach dem Spiel einen Satz hören: „Es war nicht alle schlecht, wir nehmen das positive mit.“ Einzig und allein ein  Spiel, bei dem das Positive sich in den Vordergrund drängelte, war nicht zu finden.

Mit mehr Niederlagen schien Preußer auch immer mehr an seiner eigenen Spielphilosophie zu zweifeln. Er weichte sie im Verlauf der Hinrunde immer weiter auf. Aus einem jungen Konzepttrainer mit Leidenschaft wurde ein bemitleidenswerter, junger Mann ohne Ideen wurde. Vom schnellen Umschaltspiel war nichts mehr zu sehen. Lauf- und Passwege stimmten nicht nur nicht mehr, es schien als hätten die Profifußballer das Fußballspielen selbst verlernt. Einfache Pässe über wenige Meter kamen nicht an. Landeten sie doch mal in der Nähe eines Mitspielers, sprangen sie häufig weg. Im Umfeld wurde lautstark die Qualität der Spieler angezweifelt. Die Verunsicherung auf dem Platz war riesengroß. Keiner schien einen Plan zu haben. Die ersten Minuten einer Partie war die Angst vor Fehlern so groß, dass man sich regelmäßig Gegentore einfing. Häufig versuchte die Mannschaft zwar mit dem Mut der Verzweifelten, doch noch nach vorne zu spielen. Allerdings fehlten dann die spielerischen Mittel und häufig auch die Zeit.

Nach vier sieglosen Spielen rutschte der Verein im Dezember auf Platz 17. Nur die bessere Torbilanz steht zwischen uns und einem Abstiegsplatz. 2016 feiert Rot-Weiß Erfurt seinen 50. Geburtstag. Das größte Geschenk ist inzwischen nicht mehr der Aufstieg in die zweite Bundesliga oder das neue Stadion, sondern einzig und allein der Klassenerhalt.

Montag, 13. August 2012

Die Krise?

Was für ein Auftakt in die diesjährige Saison. Nach dem fünften Spieltag ist der RWE Letzter. Zwei Tore und ein Punkt stehen vier Niederlagen und 12 Gegentoren gegenüber. Es ist nicht verwunderlich, dass jetzt (sicher nicht nur im Umfeld) über den Trainer nachgedacht wird. Schließlich ist es das normale Fußballgeschäft: Wenn es nicht läuft, muss ein Schuldiger gefunden und "eleminiert" werden.

Wie jeder Verein in der dritten Liga, hatte sich vor fünf Jahren auch Erfurt zum Ziel gesetzt, diese schnellst möglich nach Oben zu verlassen. Nicht ohne eine gewisse Eingewöhnungsphase. Nach dem Verpassen des DFB-Pokals und den fünften Plätzen in den vergangenen Spielzeiten, könnte es diese Saison bereits zu spät sein.

Dabei sind die Voraussetzungen in Erfurt eigentlich gut. Der RWE führt die ewige Tabelle der dritten Liga an. Im letzten Jahr stellte man die besten Angreifer. Man besitzt mit Herrn Emmerling nach Wolfgang Wolf den erfahrensten Trainer. Mit Marco Engelhardt haben wir Erstligaerfahrung im Kader. Auch das Umfeld wäre bereit für die zweite Liga. EON wünscht sich sicherlich nichts mehr als im Unterhaus werben zu dürfen. Und eigentlich sollte in diesem Jahr endlich der Stadionumbau beginnen. Doch jetzt steht man vor der schwersten Saison seit Jahren.

Die Schuld bei Stefan Emmerling zu suchen ist weder leicht noch schwer. Es lief schon am Ende der letzten Saison nicht mehr gut, aber auch nie wirklich schlecht. Die Vorbereitung war unglücklich. Bis auf ein abgebrochenes Spiel fuhr man keinen Sieg ein. Klar wurde das gegen Dortmund oder Westham auch nicht erwartet. Aber vielleicht hätte die Mannschaft zumindest gegen Kassel gewinnen können.
Doch ist die Schuld wirklich beim Trainer zu suchen?

Pro Stefan Emmerling:


Emma hat Erfahrung. Er war selber lange Jahre Profi und es ist weder die erste Durststrecke mit Erfurt und sicherlich auch nicht die erste in seiner Karriere. Außerdem kann man sicher von Pech reden, wenn sich Hoffnungsträger wie Fillinger kurz vor Beginn der Saison verletzen. Die Liste lässt sich mit Ströhl fortführen, der sicher nicht das Maß aller Dinge ist, aber den Konkurrenzkampf in der Abwehr sicher angeheizt hätte. Auch ist es Emmerling nicht vorzuwerfen, dass das Präsidium versucht, junge Spieler aus der A-Jugend an den Herren-Kader heranzuführen. Um finanziell in jeder Liga überleben zu können, ohne Audi, VW oder SAP im Rücken zu haben, ist Nachwuchsarbeit- und Förderung unumgänglich. Schaut man sich jetzt noch die ersten Spiele an, dann verliefen auch die "unglücklich." Bereits am ersten Spieltag verlor man nicht nur gegen Wiesbaden 1:3 nach Führung, sondern auch mit Oumari einen Abwehrspieler und mit Morabit einen Stürmer. Diese Lücken konnten aufgrund des dünnen Kaders nicht ausgebügelt werden. Erst recht nicht durch A-Junioren, die von allen Spielern noch den besten Eindruck hinterließen. Die Folge war die zweite Niederlage beim ersten Heimspiel. Die Klatsche (0:4) gegen Heidenheim schlägt auch gestandenen Profis auf den Magen. Es war also nicht zu erwarten, dass im nächsten Spiel mit breiter Brust aufgetreten wird. Es folgte ein 0:3 in Halle - im Derby - gegen einen Aufsteiger. Den einzigen Punkt holte man gegen Stuttgarts Amateure. Diese gelten als Spielstark und hatten den Punkt nicht unbedingt verdient. Ein langer Ball und all die Arbeit unter der Woche war umsonst. In Osnabrück konnte man eine Halbzeit mithalten. Doch sieben Minuten nach der Pause war Unordnung in der Hintermannschaft. Anschließend verlor Oumari wieder die Nerven und flog mit Gelb/Rot vom Platz. Starke Quote nach fünf Spieltagen bereits zweimal vorzeitig duschen zu gehen. Auch Strangl erwies sich als rustikal und schwächte seine Mannschaft durch einen Platzverweis im zweiten Saisonspiel.
Wir bekamen außerdem in den ersten vier Spielen vier Elfmeter gegen uns und nur einen eigenen zugesprochen. Das ist schon unglücklich. Dennoch heißt es von den Spielern, dass man sich nicht unterkriegen lässt und weiter nach vorne schauen möchte. Man will sich an den positiven Dingen, wie der ersten Halbzeit gegen Stuttgart und Wiesbaden und die ersten 60 Minuten gegen Osnabrück aufbauen. Gut so - schlimmer kann es nämlich nicht kommen.

Aber es sprechen auch Dinge gegen Stefan Emmerling:


Ein Trainer ist auch immer ein Psychologe. Wie Trainer es schaffen, nach Niederlagen ihre Mannschaft aufzubauen und ihr im nächsten Spiel den absoluten Siegeswillen einzupflanzen, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob Herr Emmerling das schafft. Alles was ich sehe, ist das Spiel auf dem Platz. Und das wirkte nicht gerade strukturiert oder sicher. Die Fehlpassquote gegen Wiesbaden (in der zweiten Halbzeit) und gegen Halle war unfassbar hoch. Nach Niederlagen im nächsten Spiel dazustehen und keine Angst vor einer Klatsche zu haben, auf dem Rasen zu stehen und an seine eigenen Stärke zu glauben, Abläufe einstudiert und verinnerlicht haben, zu wissen, wie man einen Gegner in die Knie zwingen kann, einen Plan zu haben, auch wenn er das letzte Mal nicht aufgegangen ist - das muss ein Trainer seiner Mannschaft beibringen. Bei Erfurt fehlt diese Einstellung im Moment. Das Tor gegen Stuttgart war ein Elfmeter. Auch gegen Heidenheim hatte man einen guten Start, fiel aber nach dem 0:1 zusammen wie ein Kartenhaus. Auf dem Platz fehlt es an Struktur, Ordnung und Ideen. Aus Mangel an diesen Grundvoraussetzungen fehlt es auch an Spielfreude. Und ohne Spielfreude, ohne "Bock auf Fußball" kann keine Mannschaft gewinnen.
Es ist sicherlich nicht leicht, Neulinge in eine Mannschaft zu integrieren und zu motivieren. Ein guter Trainer muss das aber können. Er muss den Teamgeist einer Mannschaft fördern, ihnen vermitteln, dass sie es nur zusammen schaffen können und vor allem wie sie es schaffen können. Versagt ein Trainer dabei oder erreicht er seine Mannschaft nicht mehr, dann muss er gehen. Als Emmerling sich nach der Niederlage gegen Osnabrück der Frage stellte, ob er noch daran glaubt, lange in Erfurt zu arbeiten, wurde er nervös. Seine Worte sollten jetzt wie ein klares Bekenntnis wirken: "Das wäre ja verrückt, wenn ein Trainer darüber nachdenkt," sagte er und schaute dabei nach links und rechts. Die Ader an der Schläfe setzte sich ab als würde sie unter Strom stehen. Auch das Bekenntnis vom Präsidenten wirkte ausweichend: "Wir müssen jetzt der Mannschaft zeigen, dass Präsidium, Trainerstab und Management ein Team bilden," sagte Rolf Rombach. Aber auch er sah die letzten Spiele und forderte mehr von allen Spielern, aber vor allen von den Erfahrenen. Die müssten die Vorgaben des Trainers auf die jungen übertragen und auf dem Platz als Vorbilder voranmaschieren. Engelhardt, Rauw und NPR wirkten hingegen häufig ratlos, ideenlos und kraftlos. Marcos Aussetzer in Osnabrück, als er den Ball aus der Luft wegschlagen wollte und über diesen trat, sind symptomatisch für die Verunsicherung. An wen sollten sich junge Spieler orientieren, wenn die etablierten schon nicht wissen, was sie tun? Und wer ist dafür verantwortlich, dass Spieler auf dem Platz wissen, was in welcher Spielsituation richtig oder falsch ist? Es ist der Trainer, der die Vorgaben gibt. Es ist auch der Trainer, der die vom Präsidenten geforderte Mehrleistung aus den Spielern herauskitzeln muss. Und diese kommt einfach nicht. Nächstes Wochende hat die Mannschaft kein Pflichtspiel, weil sich Erfurt nicht für den DFB-Pokal qualifiziert hat. Das könnte schon eine Gnadenfrist sein. Eventuell kann Emmerling nach der Pause wieder auf einen erweiterten Kader zurückgreifen, aber auch der muss auf dem Platz wissen, was er tut. Das werden erst die nächsten Spiele zeigen - zumindest wenn nicht vorher eingegriffen wird. Denn einen Masterplan scheint Herr Emmerling auch nicht zu haben.

Es bleibt aber bei dem Grundsatz, den ich gegen Ende der letzten Saison von den Spielern eingefordert habe: Geduld. Es kann sich immer noch alles zum Guten wenden. Wir sind noch nicht abgestiegen. Doch sollte sich in den nächsten fünf Spieltagen nicht massive Änderungen in der Spielweise und der Punkteausbeute bemerkbar machen, muss die Reißleine gezogen werden. Und die trifft meist denjenigen, dessen Kopf am tiefsten hängt. Ich kann nur hoffen, dass Stefan Emmerling bald wieder nach oben blickt.

Dienstag, 15. Mai 2012

Zu-End(e)-Spiel(e)

Während auf meinem Laptop das letzte Liga-Spiel der Saison läuft, finde ich die Zeit, unsere Spielzeit ein wenig Review passieren zu lassen. Das Relegationsspiel zwischen Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf bildet den finalen Abschluss. Auch wenn Düsseldorf gerade das 1:0 nach 30sec geschossen hat, ist dort noch nichts entschieden. Gestern stieg bereits unser ehemalige Liga-Mitstreiter Jahn Regensburg auf. Das Unentschieden in Karlsruhe reichte den Ostbayern um nächste Saison 2. Bundesliga zu spielen. Das bedeutete auch den Abstieg für unseren ehemaligen Torwart Dirk Orlishausen - aber dazu später mehr.

Für Rot-Weiss Erfurt lässt sich die Saison relativ einfach zusammenfassen. The same procedure as every year. Um es kurz machen: Wieder Platz 5, wieder im Thüringen-Pokal ausgeschieden und wieder mit zahlreichen Abgängen.

Aber so einfach ist es dieses Jahr nicht. Nur zum Vergleich, letzte Saison hatten wir elf Abgänge, darunter wertvolle Stützen wie Semmer, Orlishausen. Stenzel oder Hauswald. Habe ich diese Abgänge vermisst? Ehrlich gesagt nein. Unser Trainerstab und der sportliche Leiter Traub haben wirklich gute Arbeit geleistet bei der Aufbesserung unseres geschwächten Kaders. Auch wenn es eine Weile dauerte: bereits Mitte der Saison stand eine Mannschaft auf dem Platz, die Fußball spielen konnte.

Hervorheben möchte ich hier niemanden. Es wäre mühsam aufzuzählen, wie wichtig doch Reichweins 17 Saisontreffer waren. Welch tolle Entwicklung Andreas Sponsel genommen hat, oder wie gut Zedi, Pfingsten-Reddig und Engelhardt (in der Rückrunde) im Mittelfeld waren. Genauso ungerecht wäre es, auf Bernd Rauw rumzuhacken, der uns sicher ein paar Punkte gekostet hat. Oder sich über Ströhls teils katastrophale Auftritte auszulassen. Nein, darum soll es hier gar nicht gehen. Fakt ist: Wir haben eine gute Saison gespielt. Unsere Mannschaft hat sich relativ schnell eingespielt gehabt und das trotz charakterlicher Schwächen. Was man der gesamten Mannschaft vorwerfen kann, ist Leichtsinn.

Gegentore nur Sekunden nach Wiederanpfiff führten bei entscheidende Spiele Punktverlusten. Dumme Fouls die zu Sperren nach sich ziehten, usw.. Es gibt für all das ein schönes Wort: Cleverness. Die fehlte dem RWE diese Saison in einigen Spielen. Ich möchte nicht daran denken, wo wir jetzt wären, wenn wir nur zwei Unentschieden weniger und dafür Siege eingefahren hätten.

Sicherlich, der Aufstieg war für diese Saison nicht geplant. Sieht man sich die Mannschaften an, die nächste Saison zweite Liga spielen dürfen, überkommt einem aber schon ein Schauer. Sandhausen, Aalen und Regensburg. Alles drei Westmannschaften (ohne, dass ich das negativ meine! Ich gehe auch mit einem Westclub fremd). Alle drei vor der Saison nicht im engeren Favoritenkreis gewesen. Ich gratuliere selbstverständlich zum Geleisteten und erkenne die sportliche Überlegenheit an. Das tolle ist, dass diese Mannschaften mit ihrem Aufstiegskader in weiten Strecken weitern machen können. Das ist etwas, das in Erfurt seit Jahren nicht der Fall ist.

Wirft man einen Blick auf unsere Abgänge vom letzten Jahr, ergibt sich ein grauenvolles Bild: Tino Semmer: Abgestiegen mit Rostock. Dirk Orlishausen: Abgestiegen mit Karlsruhe. Fabian Stenzel: Konnte sich erst nicht durchsetzen, landete dann in Chemnitz und verbockte unter anderem das Spiel gegen uns. Dennis Malura: in München nur auf der Bank, im Winter dann in Heidenheim gelandet - in der 3. Liga. Alle spielen dritte Liga!

Warum aber waren diese Jungs so ungeduldig? Wieso nicht eine weitere Saison beim RWE spielen, den Aufstieg gemeinsam schaffen! Und dann das bessere Gehalt annehmen. Und dieses Jahr gibt es ein ähnliches Bild. Marcel Reichwein wird von mir sehr geschätzt, nicht immer als Fußballer, aber als Typ, als Mensch. Er hat eine tolle Saison gespielt und ich kann es ihm nicht übel nehmen, dass er mit 26 Jahren eine Gehaltsklasse höher arbeiten möchte. Aber realistisch betrachtet, sind seine Aussichten eher schlecht. Welcher Verein könnte sich für ihn denn interessieren? Paderborn? Hertha BSC? Karlsruhe? Ich weiß es nicht, aber ich kann mir leider nicht vorstellen, dass man ihm dort blind vertraut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er auf anhieb in ein neues System, eine neue Mannschaft und zu einem neuen Trainer passt. Der einzige, der in den letzten Jahren auf Anhieb diesen Sprung geschafft hat, war Albert Bunjaku. Und auch der Schweizer Nationalspieler spielt jetzt nur noch zweite Liga.

Die einzigen, die ungeduldig sein sollten, sind die Fans. Jede weitere Saison in der dritten Liga ist ein Kraftakt. Vor allem finanziell geht der Verein ein ums andere Mal an seine Grenzen. Wir können von Glück reden, dass wir uns nicht in einer so extremen Abwärtsspirale befinden, wie die Kollegen aus Jena. Aber wir bleiben geduldig. Wir haben ewig auf das neue Stadion gewartet und wurden belohnt. Und wir werden auch noch eine Saison auf die zweite Liga warten können. Nur hoffe ich, dass diese Geduld sich auch einmal auf die Spieler, auf die vielversprechenden Neuzugänge aus Unterhaching (Mijo Tunjic) und Wolfsburg II (Rafael Czichos), auf die jungen Leute, die noch im Kader stehen (Morabit, wird wohl gehen, und Manno) und auf die Spieler, die noch kommen werden, überträgt. Dass sich der Verein von seinem Image als Sprungbrett verabschiedet, dass wir über zwei oder drei Jahre mit einem Kader und einem Trainer planen können. Dann wird das auch einmal etwas mit der Relegation - oder mehr.

Wir sind jedenfalls auf einem guten Weg und müssen uns endlich selber belohnen. Mit Glück, etwas Spucke und viel Kampf und Leidenschaft. 


Dienstag, 24. Januar 2012

Was zur...

Nun ist auch der erste Spieltag im neuen Jahr Geschichte. Einen mageren Punkt nahm der RWE mit aus der Hansestadt. Angesichts der Tabellenkonstellation, wir spielten gegen den Letzten (Ja, noch hinter Jena!) und hätten einen deutlichen Schritt nach Oben machen können, wirklich viel zu wenig. Zwei Dinge sind mir dabei aufgefallen: Zum Einen hat es tatsächlich funktioniert, dass eine Flanke aus der Abwehr von Reichwein weitergeleitet und am Ende bei Morabit gelandet ist, der den Ball tatsächlich im Tor unterbrachte. Was müssen die armen Jungs diesen Spielzug im Training geübt haben! Unendliche Stunden, Haarausfall bei Cello und nun endlich die Gewissheit: Ja, es kann funktionieren, wenn man gegen den Letzten spielt.
Die zweite Sache ist die immer noch magere Chancenauswertung. Wenn man schon vorher weiß, dass man nicht viele Tormöglichkeiten bekommen wird, dann sollte man die wenigen doch erst recht nutzen. Aber im Moment fehlt es noch an Kaltschnäuzigkeit.

Das ist der Grund für das nun inzwischen neunte Unentschieden. Diese Zahl erinnert mich an eine Saison von Bayer Leverkusen, in der der Club über die komplette Hinserie ungeschlagen blieb, nur um am Ende einfach mal gar nichts erreicht zu haben. Was lernen wir daraus? Ein Punkt ist zu wenig, erst recht beim Tabellenletzten.

Mit Stuttgart erwartet den RWE am kommenden Wochenende nun eine wesentlich stärkere einzuschätzende Zweitvertretung, die zudem auch noch punktgleich ist. Ohne mich festlegen zu wollen, zumal ich dank Urlaub sowieso nicht im Stadion sein kann, würde ich am liebsten diesen Blog hier verwetten, dass wir wieder nicht über ein Unentschieden hinaus kommen. Aber der ewige Pessimismus ist ja vorbei!

Eine dritte Randnotiz, die mich in den letzten Wochen beschäftigt hat, war das Gespräch der KEF mit den Oberen des Vereins. Wir haben keine Nazis, wir haben nie Böller geworfen und alle Leute, die sich nicht benehmen können, sind schon von unserer Gruppe ausgeschlossen worden. Wer soll das glauben? Die kriminelle Energie dieser Personengruppe ist absolut unbestritten. Es war zwar nur eine Randnotiz in der gestrigen Thüringer Allgemeine, aber die Auseinandersetzungen auf der Durchreise am Hannover Bahnhof mit Kölnern, bei der Böller flogen und Polizisten verletzt wurden, ging sicherlich nicht auf die Kappe normaler Fans. Aber darüber zu urteilen, wie sich wer zu benehmen hat, steht mir nicht zu. Aber man sollte wenigstens den Schneid haben, den Mist den man baut, auch zuzugeben. Denn:

Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf. Wer sie aber kennt, und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher.

Edit: Laut Fanhaus wurden bei den Auseinandersetzungen keine Erfurter Fans verhaftet...

Samstag, 7. Januar 2012

TFV Hallentunier - die unendliche Geschichte!

Gestern fand wiedermal das Hallenturnier des Thüringer Fußballverbandes statt. Mit dabei waren neben dem FC Rot Weiß Erfurt auch Carl Zeiss Jena, Meuselwitz, LOK Leipzig und die zweite Mannschaft von Schalke 04. Wie schon in den letzten Jahren schnitt der RWE eher bescheidn ab. Neben einem 1:1 gegen den FCC, einem 3:1 über Meuselwitz, sprang noch ein Unentschieden gegen Leipzig und eine Niederlage gegen Schalke heraus. Gerade das letzte Spiel hätte man aber siegreich gestalten sollen, denn so verhalf man Jena zum Gesamtsieg. Für uns reichte es vor rund 1500 Zuschauern nur zum dritten Platz. Aber ich möchte hier gar nicht weiter auf's Spielerische eingehen und dafür lieber ein paar Bilder sprechen lassen. :)





Sonntag, 18. Dezember 2011

Carl Zeiss Jena spielt Champions League...

...auf PS3, von 12 bis 8, die ganze Nacht! Demut, Dankbarkeit und Bescheidenheit sind Tugenden, die man in Jena wohl herausgeprügelt bekommt, wenn man zu Carl Zeiss geht. Anders sind die Kommentare unter diesem Artikel nur schwer zu erklären.

Aber fangen wir von Vorne an: Am Samstag verlor der RWE das Derby gegen Jena. Verdient, mit 1:0, weil wir wie schon in der Vorwoche nicht in der Lage waren, ein konstruktives und durchdachtes Angriffsspiel aufzufahren. Zwar konnte die Hintermannschaft lange die Null halten, aber kurz vor Schluss fasste sich Hähnge ein blau-gelbes Herz und erzielte freistehend den Siegtreffer. Der größte Teil der Erfurter Anhänger empfand das aufgrund des lust- und ideenlosen Auftritts der Mannschaft als schlicht und ergreifend verdient (Link).

Wie man aber als FCC-Anhänger jetzt schon wieder in alte Gewohnheiten fallen kann, ist mir schleierhaft. Der Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz beträgt weiterhin sieben Zähler. Man darf außerdem davon ausgehen, dass auch die Mannschaften über dem Strich weiterhin Punkte sammeln wollen. Aber was außer, dass dies nur ein Anfang sein kann, liest man nun? "Also ich finde es spannender, in einer Saison das Feld von hinten aufzurollen, statt nach unten durchgereicht zu werden", ". Stetige Aufwärtsdynamik, permanenter Druck nach oben, kein Halten mehr, die Hindernisse weichen. Wir sehen uns in der CL!!" "..Heult und verneigt euch ihr Luschen.Derbysieger ist nur der FCC!!!!!" Nicht schlecht für einen Club, der zu DDR-Zeiten vom Staat finanziert und vom Doping unterstützt wurde. Von einem Verein, dessen Führung in den letzten Jahren mehr Trainer eingestellt und gefeuert hat als jeder anderer Verein. Von einem Verein, der seine Millionen und Kredite verpulvert, als gäbe es kein Morgen mehr. Bitte bedenkt, liebe FCC Anhänger: wir leben nicht mehr in der DDR, eure großen Erfolge sind vorbei! Und das Geld, was ihr von der Thüringer Aufbaubank bekommen habt, das Geld, was auch beim Klassenerhalt nur schwer reichen dürfte, versetzt euch nicht gerade in die Lage, weiter auf große Einkaufstour zu gehen. Und trotzdem möchte man noch zwingend neue Leute verpflichten, großes Kino. Zum Glück denken nicht alle in Jena so. Zum Glück wissen einige um die Schieflage im Verein und dass man im Moment jeden Penni zweimal umdrehen sollte. Zum Glück wissen auch einige Anhänger, dass das am Samstag nur drei Punkte waren, und dass man dennoch zwei Meter tief in der Scheiße steckt. Und bedenkt bitte auch, liebe Anhänger des FCC, ein Aufschlagen in der Regionalliga könnt ihr vergessen! Wenn ihr diese Saison absteigt, dann singt das Steigerwaldstadion bald wieder: "Oberliga, Jena ist dabei!"

Ich möchte mich jetzt nochmal kurz über diese verdammten Vollpfosten beschweren, die den Verein wieder hohe Strafen eingebracht haben. Verpisst euch einfach! Es geht mir so auf die Nüsse, wie sie sich selber feiern, wie sie, und hier zitiere ich "unter dem Namen von RWE in Thüringer Städten und Gemeinden einen " Glaubenskrieg " für RWE führen zu müssen ..."
(Link), wie sie die Verletzungen von eigenen Anhängern, Ordnern, Feuerwehrleuten und Polizisten mit Genuss in Kauf nehmen und ein rabenschwarzes Licht auf einen Verein werfen, der seit Jahren versucht, in Erfurt hochklassigen Fußball anzubieten, versucht solide zu Wirtschaften und darauf bedacht ist, eine positive Außendarstellung herauszutragen. Und ich meine hier nicht unsere Ultras, die vermutlich nicht an den Aktionen beteiligt waren, sich aber auch leider nicht dagegen eingesetzt hatten.

Übrigens fuhr man am Sonntag beim Hallencup in Riesa einen beachtenswerten zweiten Platz ein. Sah man sich aber die Zusammenfassung im MDR vom Finale an, wurde das ganze Ausmaß der Erfurter Ideenlosigkeit erneut sichtbar. Nach vorne kam man nicht zum Abschluss und die Auer, der Finalgegner, wurde dazu eingeladen, Tore nach Kontern zu schießen. Für das neue Jahr bleibt nur zu hoffen, dass wir wieder mehr Durchschlagskraft im Angriff herauskitzeln können, dass Serge Yohoua wieder fitt wird und den Konkurenzkampf im Sturm wiederbelebt.

Ansosten wünsche ich allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Dort wird der erste Gegner Bayern München sein. Klingt doch ganz nett...

Freitag, 16. Dezember 2011

Nach der Hindrunde ist vor dem Derby!

Was war denn das für eine unfassbare erste Halbserie? Erstmal tut es mir leid, dass ich mich wieder so lange nicht mehr zu Wort gemeldet habe. Nun aber denke ich, ist es an der Zeit mich mit einem Fazit und einem Ausblick zurück in die Spur zu bringen.

Auswärts, wie wir alle wissen, sind wir denkbar schlecht gestartet. Das lag vermutlich daran, dass man auch auf fremden Platz dem Gegner sein Spiel aufzwingen wollte, ein Spiel von dem die Mannschaft selber noch nicht wusste, welches das eigentlich ist. Dafür lief es daheim, die Gegner fielen reihenweise um und verließen das SWS mit Null Punkten. Und dann, ein Sieg in Unterzahl in Saarbrücken dank eines hervorragend aufgelegten Andreas Sponsel, welcher nach der Suspendierung von Rickert nahezu tadellos spielt und schwupp die wupp lief es daheim nicht mehr. Ich halte es einfach mal für Zufall, dass mein letzter Eintrag auch nach dem letzten Sieg geschrieben wurde.

Sicherlich sieht man der gesamten Mannschaft eine gewisse Entwicklung an. Leider bleibt aber auch festzuhalten, dass man sich im eigenen Spielaufbau und, das ist viel schlimmer, im Abschluss sehr schwer tut. Dafür hat die Defensive von Bertram profitiert. Insgesamt wirkten die Aktionen der Hintermannschaft, sieht man mal von den Aussetzern eines Bernd Rauw und Thomas Ströhls im letzten Heimspiel ab, sicherer und durchdachter. Das Mittelfeld, seit langem schon Erfurts größte Stärke hat mit Zedi und Pfingsten zwei Leitwölfe, die im Fall des Falles auch mal ein Spiel an sich reißen können. Einziges wirkliches Problem bleibt die Offensive: Wir haben mit Manno, Weidlich und Drexler wirklich gute Leute, die den Ball nach vorne bringen können. Und trotzdem finden sich immer wieder Abstimmungsprobleme. Mal wird der Ball bis zur Grundlinie getragen und statt auf den freien Mann am Elferpunkt zu spielen, geht der Ball an den Fünfer, mal läuft man in den Sechzehner und statt nun zurück zu legen versucht man es selber, mal zieht man Richtung Eckfahne und versucht an der Strafraumgrenze eine Flanke zu schlagen, die dann ins Nichts geht. Diese Liste ließe sich noch weiter fortsetzen, denn durchdachte, ja geplante Spielzüge lassen sich nur selten feststellen. Oft hatte ich das Gefühl, dass der eine nicht weiß, was der andere von ihm will. Und nach jeder missglückten Aktion beginnt dann die Körpersprache wegzubrechen. Man zuckt mit den Schultern, zeigt auf den Ball oder den Laufweg, den man doch hätte voraussehen müssen und so weiter. Viel zu selten gab es so schöne Angriffe wie in Unterhaching als ein toller Pass von Manno genau in den Fuß von Cello gespielt wurde, oder Domes Flanke ebenfalls Cello als Abnehmer fand.

Das Problem liegt darin, und das wissen die Kicker laut Zedi auch, dass wir uns zur Zeit schwer tun, das Spiel zu machen. Aber was heißt eigtl. "Das Spiel machen"? Sollte nicht jede Mannschaft gewillt sein, so zu spielen, wie sie es trainiert hat, sollte man nicht Ball und Gegner, gerade daheim, laufen lassen, seine Automatismen abrufen und über eine eingespielte Teamleistung zum Erfolg kommen? Was passiert da auswärts? Wir warten auf Fehler des Gegners, spielen relativ geschickt nach vorne und kommen zum Abschluss. Wie schwer sich unsere Kreativspieler anstellen, wenn sie vor zwei Viererketten gestellt werden, hat man gegen Chemnitz gesehen. Ich erinner mich spontan an keine Aktion, die deren Abwehr vor ernste Probleme hat stellen können. Und wenn doch, dann fehlte die Präzision im Abschluss. Hingegen hat man gegen Babelsberg gesehen, was passiert, wenn zur fehlenden Kreativität auch noch schlampiges Verhalten im Deckungsverbund und ein überforderter Schiri hinzukommen: Niederlagen.

Woran muss also Herr Emmerling, der sich sicherlich keine leichte Aufgabe gestellt hat, als er die Mannschaft voller heute oft vermisster "Typen" zusammen stellte, arbeiten, wenn er in der Rückrunde eine (noch) bessere Figur machen will? In erster Linie an den Automatismen im Vorwärtsgang. Wir müssen es schaffen Ball und Gegner zu beschäftigen, unberechnbarer werden. Das geht nur durch eine konzentrierte Teamleistung bei der alle an einem Strang ziehen. Aber von hier sagt sich das sehr leicht. Phrasen haben noch keinen Menschen zu einem guten Fußballer gemacht! Aber ich denke wir sind auf einem guten Weg.

Mal sehen, ob ich das nach dem Derby am Samstag auch noch so sehe. Aber es ist gut zu wissen, egal wie das morgen ausgeht, THÜRINGEN IST ROT WEISS!