Was war denn das für eine unfassbare erste Halbserie? Erstmal tut es mir leid, dass ich mich wieder so lange nicht mehr zu Wort gemeldet habe. Nun aber denke ich, ist es an der Zeit mich mit einem Fazit und einem Ausblick zurück in die Spur zu bringen.
Auswärts, wie wir alle wissen, sind wir denkbar schlecht gestartet. Das lag vermutlich daran, dass man auch auf fremden Platz dem Gegner sein Spiel aufzwingen wollte, ein Spiel von dem die Mannschaft selber noch nicht wusste, welches das eigentlich ist. Dafür lief es daheim, die Gegner fielen reihenweise um und verließen das SWS mit Null Punkten. Und dann, ein Sieg in Unterzahl in Saarbrücken dank eines hervorragend aufgelegten Andreas Sponsel, welcher nach der Suspendierung von Rickert nahezu tadellos spielt und schwupp die wupp lief es daheim nicht mehr. Ich halte es einfach mal für Zufall, dass mein letzter Eintrag auch nach dem letzten Sieg geschrieben wurde.
Sicherlich sieht man der gesamten Mannschaft eine gewisse Entwicklung an. Leider bleibt aber auch festzuhalten, dass man sich im eigenen Spielaufbau und, das ist viel schlimmer, im Abschluss sehr schwer tut. Dafür hat die Defensive von Bertram profitiert. Insgesamt wirkten die Aktionen der Hintermannschaft, sieht man mal von den Aussetzern eines Bernd Rauw und Thomas Ströhls im letzten Heimspiel ab, sicherer und durchdachter. Das Mittelfeld, seit langem schon Erfurts größte Stärke hat mit Zedi und Pfingsten zwei Leitwölfe, die im Fall des Falles auch mal ein Spiel an sich reißen können. Einziges wirkliches Problem bleibt die Offensive: Wir haben mit Manno, Weidlich und Drexler wirklich gute Leute, die den Ball nach vorne bringen können. Und trotzdem finden sich immer wieder Abstimmungsprobleme. Mal wird der Ball bis zur Grundlinie getragen und statt auf den freien Mann am Elferpunkt zu spielen, geht der Ball an den Fünfer, mal läuft man in den Sechzehner und statt nun zurück zu legen versucht man es selber, mal zieht man Richtung Eckfahne und versucht an der Strafraumgrenze eine Flanke zu schlagen, die dann ins Nichts geht. Diese Liste ließe sich noch weiter fortsetzen, denn durchdachte, ja geplante Spielzüge lassen sich nur selten feststellen. Oft hatte ich das Gefühl, dass der eine nicht weiß, was der andere von ihm will. Und nach jeder missglückten Aktion beginnt dann die Körpersprache wegzubrechen. Man zuckt mit den Schultern, zeigt auf den Ball oder den Laufweg, den man doch hätte voraussehen müssen und so weiter. Viel zu selten gab es so schöne Angriffe wie in Unterhaching als ein toller Pass von Manno genau in den Fuß von Cello gespielt wurde, oder Domes Flanke ebenfalls Cello als Abnehmer fand.
Das Problem liegt darin, und das wissen die Kicker laut Zedi auch, dass wir uns zur Zeit schwer tun, das Spiel zu machen. Aber was heißt eigtl. "Das Spiel machen"? Sollte nicht jede Mannschaft gewillt sein, so zu spielen, wie sie es trainiert hat, sollte man nicht Ball und Gegner, gerade daheim, laufen lassen, seine Automatismen abrufen und über eine eingespielte Teamleistung zum Erfolg kommen? Was passiert da auswärts? Wir warten auf Fehler des Gegners, spielen relativ geschickt nach vorne und kommen zum Abschluss. Wie schwer sich unsere Kreativspieler anstellen, wenn sie vor zwei Viererketten gestellt werden, hat man gegen Chemnitz gesehen. Ich erinner mich spontan an keine Aktion, die deren Abwehr vor ernste Probleme hat stellen können. Und wenn doch, dann fehlte die Präzision im Abschluss. Hingegen hat man gegen Babelsberg gesehen, was passiert, wenn zur fehlenden Kreativität auch noch schlampiges Verhalten im Deckungsverbund und ein überforderter Schiri hinzukommen: Niederlagen.
Woran muss also Herr Emmerling, der sich sicherlich keine leichte Aufgabe gestellt hat, als er die Mannschaft voller heute oft vermisster "Typen" zusammen stellte, arbeiten, wenn er in der Rückrunde eine (noch) bessere Figur machen will? In erster Linie an den Automatismen im Vorwärtsgang. Wir müssen es schaffen Ball und Gegner zu beschäftigen, unberechnbarer werden. Das geht nur durch eine konzentrierte Teamleistung bei der alle an einem Strang ziehen. Aber von hier sagt sich das sehr leicht. Phrasen haben noch keinen Menschen zu einem guten Fußballer gemacht! Aber ich denke wir sind auf einem guten Weg.
Mal sehen, ob ich das nach dem Derby am Samstag auch noch so sehe. Aber es ist gut zu wissen, egal wie das morgen ausgeht, THÜRINGEN IST ROT WEISS!
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