Da ist sie vorbei, die Drittligasaison. Ein nicht unbedingt versöhnlicher, aber verdienter Platz 5 steht am Ende in der Tabelle neben dem FC Rot Weiss Erfurt. Eigentlich ein gutes Ergebnis, keine Frage, aber auch irgendwie zu wenig bei den Möglichkeiten, welche in den letzten Wochen vergeben wurden.
Aber an dieser Stelle möchte ich weder über das, was vor dem letzten Spieltag, noch was während des etwas glücklichem Erfolg über den VfR Aalen passiert ist, schreiben. Viel interessanter sind die Dinge, die sich auf dem Rasen und auf und vor dem Zaun des Fanblocks abspielten. Dort wurden nämlich im Vorfeld eine komplette Fußballmannschaft weg geschickt. Verabschiedet, wie es euphemistisch heißt. Die schiere Anzahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, 11, elf, ELF Abgänge hat der Verein zu verzeichnen. Sollte hier ein Industrievertreter mit viel Geld zufällig eine neue Mannschaft aufbauen wollen, ich hätte hier eine vollständig und in gutem Zustand abzugeben! Und das beste, sie ist auf nahezu allen Positionen bereits besetzt: Torhüter Dirk Orlishausen, eine Abwehr um Fabian Stenzel, Jens Möckel, Dennis Malura und Martin Pohl, sowie ein Mittelfeld/Sturm mit Tino Semmer, Julian Lüttmann, Martin Hauswald (von den Fans nochmal richtig und zurecht für die Leistung der vergangenen Jahre gefeiert!), so wie Petr Smisek (der sich seit gefühlter unendlicher Zeit bei unserem Verein bewegt, ohne sich ernsthaft zu bewegen), Chhunly Pagenburg und Sebastian Becker.
Natürlich ist es aus finanzieller Sicht wichtig, diese Spieler nicht mehr auf dem Gehaltszettel zu haben. Sportlich sind einige der Herren sicher auch zu verschmerzen. Doch gerade Orle wird im SWS vermisst werden. Nicht, weil Sponsel ein schlechter Nachfolger wäre, im Gegenteil, aber als Identifikationsfigur wie sie einst nur Hebestreit war, hinterlässt er eine klaffende Wunde. Kein Wunder, dass Orle am Ende auf dem Zaun die UFFTA anstimmen durfte. Wohin sein Weg geht, weiß bisher kein außenstehender.
Interessant ist auch, dass diese Saison gerade unsere anscheinend größte Schwachstelle das dringende Bedürfniss hat, in die zweite Liga zu wechseln. Die Abwehr hat 45 Gegentreffer zugelassen, dass ist der schlechteste Wert unter den Top 5, wenn auch weniger als fast alle weiter unten stehenden Gegner. Dennoch wirkte sie gerade in den letzten Saisonspielen wenig souverän, oft löste sie sich auf wenn vorne "alles oder nichts" gespielt wurde und durcheinander geschüttelt wurde sie auch um's ein und andere Mal. Vier Tore gegen einen beinah-Absteiger, und viele späte Tore, zeugen nicht gerade von Qualität. Hier will der Verein den Gerüchten nach mit Bernd Rauw einen Stabilisator einbetten Der war aber fast die gesamte Saison verletzt und machte auch im Spiel gegen den KSC nicht den aller besten Eindruck.
Aber im Steinhaus heißt die Devise wohl, wir müssen nehmen, was wir kriegen können. Der Etat wird nächste Saison nochmal um 300.000€ gesenkt. Die TV-Gelder werden auch weniger. Der Kader soll nicht mehr als 20 Spieler umfassen, viel auf Nachwuchs setzen und sicher auch im Unterhalt nicht mehr kosten, als nötig. Hier beißen sich manchmal Rolf Rombachs ehrgezige sportliche Ansprüche und seine finanzielle Ausgabebereitschaft. Außerdem zeigt es, dass die Erhöhung der Eintrittsgelder nicht zwingend mehr Einnahmen eingebracht hat. Trotzdem sind wir mit durchschnittlich 6.485 Zuschauern auch nicht schlecht aufgestellt und, Achtung, auf Platz 5. Das sind fast 1000 mehr, als in der vergangenen Saison. Hier waren sicherlich die spannenden Spiele gegen Braunschweig oder Regensburg und die Derbys ausschlaggebend, sowie zahlreiche Freikarten und Rabattaktionen.
Bleibt zu hoffen, dass man sich nicht verspekuliert und nach der finanziell riskanten Saison 09/10 diesmal zu wenig Risiko eingeht. Unsere Abgänge jedenfalls spülen kein neues Geld in die Vereinskasse - die Neuzgänge logischerweise auch nicht. Wie schlagkräftig die Mannschaft am Ende sein wird, zeigt sich dann in relativ genau einem Jahr.
Ich jedenfalls wünsche allen viel Erfolg für die kommenden Aufgaben, egal ob Neuzugang oder Abgang.
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